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Der Dämon im Hinterkopf

Die vielen Gestalten unseres inneren Dämons

Dämon hockt auf dem BettDer ständige Dialog: Warum hast du nicht besser aufgepasst – Aber ich ab mich doch angestrengt - Wenn du früher gekommen wärst, wäre das nicht passiert – aber was kann ich denn für den Stau - Du bist doch nur unfähig – ich versuche doch alles – Stell dich nicht so an, so wirst du nie was erreichen – es ist zum Verzweifeln, was ich mache ist nicht genug! - Du bist ein Versager, andere schaffen das doch locker! – Wahrscheinlich bin ich wirklich zu allem zu blöde! Am besten, du bleibst was du bist, alle deine Versuche sind ja doch sinnlos.

Dieser Dialog findet aber nicht zwischen zwei Menschen statt – sondern ausschließlich im Kopf. Kennen Sie diesen ständig präsenten Schwätzer auch, der immer und in jeder Situation seinen Senf dazu gibt, egal, ob wir das hören wollen oder nicht? Er ist nie zu müde, er braucht keine Ruhepause, er ist rund um die Uhr präsent, und je mehr wir unsicher, müde oder erschöpft sind, umso lauter und penetranter wird seine Stimme. Seine absolute Bestzeit hat er, wenn wir nachts nicht schlafen können, weil wir ein ungelöstes Problem haben. Dann jagt er uns von einer Ecke in die andere und malt uns die schlimmsten möglichen Konsequenzen in den grellsten Farben aus. Am nächsten Morgen kriechen wir dann wie gerädert aus dem Bett und die Wahrscheinlichkeit, konstruktiv an das Problem ranzugehen, schrumpft auf Null. Er zeigt sich als der perfekte Experte darin uns das Leben zu vermiesen, er nutzt jede kleinste Gelegenheit uns zu beweisen, dass alles schlecht, sinnlos ist und sowieso nur das schlechteste mögliche Ergebnis heraus kommen kann und wir keine Chance haben, aus diesem Teufelskreis auszubrechen, denn das Leben ist eben so – wenn wir ihm zuhören und ihm Glauben schenken.

Die Radiostation im Kopf

Selbst wenn wir mal nicht mit irgendwelchen Schwierigkeiten zu kämpfen haben – das Geplapper im Kopf geht ständig weiter. Diese lästige Stimme versucht immer wieder uns abzulenken und wenn wir uns von einem Thema nicht einfangen lassen, wechselt sie zum nächsten. Jeder von uns kennt die Situation – einfach nur mal sitzen und nichts tun, aber unsere Gedanken rennen wild herum und bringen uns auf die verrücktesten Ideen: Hast du den Herd wirklich ausgemacht? - Ach je, ich muss ja noch unbedingt den … anrufen. - Ja und wenn das morgen mit dem Termin schief läuft? - Oh je, ich habe vergessen, das und das einzukaufen. – Wo habe ich denn jetzt die Unterlagen hingelegt??

Im Zen nennt man diese Gedankenflut „die Affenherde“. Wenn wir es zulassen können wird aus jeder Ruhe eine Unruhephase machen. Viele Menschen vermeiden das, indem sie sich immer irgendwie beschäftigen und dieses Gedankenkarussell gar nicht erst wahrnehmen zu müssen, aber unterbewusst beeinflusst es uns trotzdem immerzu.

Der Verführer

lockende GestaltAber das sind nicht seine einzigen Methoden uns klein zu kriegen. Wie oft wissen wir ganz genau, wenn wir uns jetzt so wie gewohnt verhalten, dann geht es uns sehr schlecht damit. Wir kennen die Konsequenzen, und – wie eine Marionette an den Fäden – wir machen es trotzdem, wider allen besseren Wissens. Alle die Gewichtsprobleme haben, kennen diese verführerische Stimme: Ach was, das bisschen Kuchen, das macht doch nicht dick. Ich esse mal nur einen Bissen, dann höre ich auf. Oder: Wenn ich nicht diesen Stress hätte, bräuchte ich die Schokolade nicht. Oder: Ich kann jederzeit aufhören, wenn ich will. Ich bin doch nicht von den Süßigkeiten abhängig.

In all unseren großen und kleinen Süchten versteckt er sich und flötet uns ein, dass das nicht so gravierend ist, es ja gute Gründe gibt, warum wir das tun, dass das ja so selten passiert – und so weiter. Und wir sind geneigt, ihm nur allzu gerne zu glauben – erfahren wir dadurch doch einen kurzen Kick von Wohlgefühl, auch wenn uns das schlechtes Gewissen danach umso mehr drückt!

Die Überfürsorge

Überfürsorgliche ElternAber das kann auch im krassen Gegenteil mit genau dem gleichen Suchthintergrund ablaufen: die Angst, uns oder Anderen könnte etwas passieren: Oh – mein Kopf, der tut schon wieder so weh – Ich muss zum Arzt, das könnte ja doch ein Tumor sein. Und wenn es kein Hirntumor ist, dann sind die Magenschmerzen nach dem fetten Essen bestimmt, weil ich ein Magengeschwür habe. Oder: Zieh um Gottes willen eine Jacke an, sonst erkältest du Dich – oder: Pass bloß auf und fahr langsam, nicht dass du noch einen Unfall hast! Auch die Überbesorgtheit vieler Eltern, die inzwischen als Helikoptereltern bezeichnet werden, ist ebenso zwanghaft wie die Sucht nach Süßigkeiten oder Alkohol und findet nie wirklich Erfüllung, sondern muss immer von neuem befriedigt werden - und es macht uns nicht glücklich, wir sind ständig unter dem Druck, etwas tun zu müssen, um Frieden zu finden, aber das ist die größte Illusion!

Der Autopilot

MarionetteDer raffinierteste Trick unseres inneren Dämons ist allerdings der, den wir am wenigsten mit ihm identifizieren: Unsere eingefahrenen Gewohnheiten oder Automatismen. Einerseits sind Automatismen Entlastungen für unser Gehirn. Wir brauchen beim Gehen, beim Autofahren oder beim Schreiben nicht über die dazugehörigen Bewegungsabläufe nachdenken, durch viele Wiederholungen während des Lernens hat sich der Ablauf ins Unterbewusstsein eingegraben – wir machen das automatisch und haben den Kopf frei für wichtigere Dinge, die unser Denken und unsere Konzentration benötigen.

Aber leider haben wir uns über die Jahre Gewohnheiten zugelegt, die uns nicht oder nicht mehr nützen, aber wir merken gar nicht, wie wenig uns dieser Trott noch dient. Wir stehen z. B. jeden Morgen so knapp auf, dass wir nur mit Mühe noch den Zug zur Arbeitsstelle erreichen, aber das machen wir schon Jahre lang so, dass uns der Stress gar nicht mehr bewusst ist. Wir merken nur, dass es eine ganze Weile dauert, bis wir uns wirklich auf unsere Arbeit konzentrieren können.

Oder wir sehen jeden Ratschlag, jede Anregung, sofort als Kritik und als Angriff auf unsere eigene Meinung. Wie ein Tier, das sein Revier bedroht sieht, beißen wir um uns und können letztendlich hilfreiche Impulse und neue Ideen von einer echten Kritik gar nicht mehr unterscheiden. Wir schrecken unsere Mitmenschen so ab, damit sie uns in Ruhe lassen und können in unserer Schuhschachtel sitzen bleiben. Der einzige, der davon profitiert, ist unser Dämon.

Oder wir wohnen seit Jahren in der gleichen Wohnung, am gleichen Ort. Eigentlich ist die Wohnung zu klein, der Ort hässlich, aber wir sind es gewohnt, wir kennen es nur so, wir kommen gar nicht auf die Idee, eine schönere Wohnung an einem angenehmeren Ort zu suchen: „Ach schöne Wohnungen sind viel zu teuer! Den Umzug kann ich mir doch nicht leisten, dann muss ich ja vielleicht länger fahren, um zur Arbeit zu kommen.

Wir versuchen es erst gar nicht – der Dämon hat es geschafft, uns klein zu halten und hat dazu unsere Bequemlichkeit genutzt.
Das Wesen des Dämons

Guy Finley drückt das sehr treffend aus: Wir sind spirituelle Wesen in einem animalischen Körper. Unsere Körperfunktionen unterscheiden sich kaum von denen, der höheren Säugetiere. Die Steuerung dieser Funktionen liegt im Stammhirn, von den Hirnforschern auch oft als „Reptilienhirn bezeichnet. Dieser Hirnteil ist zuständig für das animalische Verhalten: Da gibt es nur eine der Rasse zugehörige Verhaltensweise – die Instinkte. Ein Tier kann nicht aus seiner Haut, eine Katze wird sich nie wie ein Hund verhalten und umgekehrt. Tieren ist auch eigen, entweder zu fliehen oder anzugreifen, wenn sie in Gefahr sind, sie müssen ihr Revier gegenüber Konkurrenten verteidigen und Rudeltiere finden über Rangordnungskämpfe heraus, wer am besten als Leittier geeignet ist und auch bei der Fortpflanzung den Vorrang hat. Bei diesem Auswahlverfahren stehen körperliche Kräfte und die der Tierrasse zugeordnete Geschicklichkeit im Vordergrund.

Wenn wir es uns nicht bewusst machen, was da abläuft, übernimmt dieser animalische Teil die Führung und lässt uns glauben, in einem ständigen Überlebenskampf das arme, ohnmächtige Opfer – der Underdog – zu sein oder der, der mit allen Mitteln seine Position verteidigen muss.

Wir brauchen uns nur in Politik, Bankenwesen und Wirtschaft umschauen. Die Hierarchie kann man jederzeit mit einem Wolfsrudel vergleichen, nur fehlt in diesen menschlichen Strukturen die soziale Komponente, die bei einem Wolfsrudel sehr wohl auch genetisch festgelegt ist - das aber bedeutet, wir sind schlimmer als Raubtiere, denn die zerstören nicht ihr ihr eigenes Rudel, jagen nur, was sie zur Nahrung brauchen. Wir haben nicht einmal diese natürlichen Hemmschwellen mehr. Unser Dämon ist erbarmungslos geworden in seiner Gier.

Wozu dient uns denn dieser Dämon überhaupt?

Eigentlich sollten wir unser menschliches Bewusstsein stärken, indem wir unsere animalische Natur bewusst erkennen und beherrschen lernen. Es ist der einzige sinnvolle Kampf, diesem Dämon die Stirn zu bieten, das bedeutet, nicht einfach impulsiv zu reagieren, sondern überlegt und verantwortungsbewusst zu handeln. Mit jedem Sieg über diese „niedere Natur“, wie Guy Finley sie nennt, werden wir stärker, erkennen seine Tricks und Kniffe immer besser, das stärkt unsere Sensibilität und unser Selbstbewusstsein. Je besser wir unseren eigenen Dämon durchschauen, umso besser erkennen wir den Dämon unserer Mitmenschen. Wir nehmen das unangenehme Verhalten unseres Gegenübers nicht gleich persönlich, sondern nehmen wahr, wie er von seinem Dämon beherrscht wird, Das ermöglicht es uns, auch in sehr brisanten Situationen gelassen und überlegt zu agieren und uns nicht in den Strudel hineinziehen, wo sich 2 Dämonen hoffnungslos ineinander verkeilen und nur noch mehr gegenseitige Aggression die Konsequenz sein können.

In diesem Fall haben wir unser wildes, ungezügeltes Wildtier zum Chef gemacht und lassen uns davon beherrschen. Unsere Welt verwandelt sich dadurch in einen undurchdringlichen Dschungel von Gefahren, die überall im Dickicht lauern. Das macht uns griesgrämig und verbittert und löst in uns einen chronischen, krankmachenden Dauerstress aus, wo unser Dämon als ein gnadenloser Diktator herrscht! Damit werden wir für andere, die nach genau diesem Mechanismus leben, leicht manipulierbar und wir landen nur allzu schnell in der Opferrolle – nach dem Prinzip – den Letzten beißen die Hunde.

Die Lösung - den Dämon zu Diener machen

LöwenbändigerAls allererstes gilt es den Dämon zu entlarven, seine raffinierten Tricks zu durchschauen und uns bewusst zu machen, wie er uns einzulullen versucht. Das erfordert von uns, dass wir auf Situationen, die uns emotional herausfordern nicht impulsiv und unüberlegt reagieren. Wenn wir wie getrieben sofort etwas denken, sagen oder tun würden, gilt es, ein großes inneres Stoppschild aktivieren, und uns zwingen, erst mal tief durchzuatmen. Schon diese paar Sekunden schaffen den Spielraum für eine sinnvolle, konstruktive Erwiderung oder Handlung. Oft wird uns durch dieses kurze Innehalten bewusst, dass wir uns sehr wohl Zeit nehmen können und gar keine Notwendigkeit besteht, sofort und auf der Stelle eine Antwort parat zu haben. Das senkt die Stresshormone und erspart uns, unnötige belastende Konsequenzen ausbaden zu müssen. So können wir z. B. einen sinnlosen Streit in der Beziehung oder der Familie vermeiden. Jetzt ist der Dämon nicht mehr unser Boss, sondern unser Trainer, an dessen Training wir wachsen können.

Wenn es unsere großen und kleinen Süchte betrifft, können wir uns fragen, ob es nicht etwas Besseres gibt als diese Gier, ob wir uns nicht mit etwas anderem eher was Gutes tun können. Vielleicht stehen wir dann aber auch zu dieser kleinen Verführung, weil wir merken, diesmal gibt es einen triftigen Grund, es uns zu erlauben und brauchen uns nicht erst dann den Kopf darüber zu zerbrechen, ob dieser Ausrutscher einer war oder nicht. Je mehr wir diese Differenzierung üben, umso schneller und leichter erkennen wir, aus welcher Ecke die Stimme kommt, denn unter dem Gekreische des Dämons gibt es noch die viel leisere Stimme unserer Intuition, die auch nicht begründbar ist, uns aber auf dem Weg unserer Seele hinweisen will. Wenn wir üben dieser Stimme Beachtung zu schenken, spüren wir eine ganz andere, eine beruhigende Wirkung auf unser Gemüt. Allmählich erreichen wir eine Gelassenheit und Sicherheit, die uns heil durch die Stürme des Lebens leiten kann.

In der Stille liegt die Kraft

Aber das allerwichtigste Mittel,den Dämon in seinen raffinierten Verkleidungen zu ertappe, ist die Stille. Wenn wir uns erlauben in die Stille zu gehen, wird er uns, wie oben beschrieben, mit einem wirren Gedankenschwall zuschütten. Dann schauen wir ihm zu, wie er sich abmüht uns einzufangen, irgendwann mit einem Lächeln: Na, du musst dich ja ganz schön abmühen, so viel Blödsinn zusammenzutragen. Dann allmählich, mit ausreichend Durchhaltevermögen, lässt das Geschwätz nach, es wird leiser und wir lernen der Stille zuzuhören – der großen Heilerin aller Probleme. In dieser Stille kann sich der Körper wunderbar regenerieren, und es kann sich die leise Stimme unserer Intuition melden und uns Lösungen präsentieren, auf die unser kleiner Verstand nie gekommen wäre!

Das wirkt sich ebenfalls auf unseren Alltag aus. Wir lassen uns von Stress und Hektik nicht mehr überrollen, wir begegnen schwierigen Situationen mit viel mehr Gelassenheit und Zuversicht. Wir erreichen eine für unsere schnelllebige, chaotische Zeit eine Lebensqualität, die von innen heraus kommt, die uns keiner nehmen kann und uns sehr hellhörig macht für die manipulativen Botschaften im Außen. Und letztendlich werden wir für unsere Mitmenschen vielleicht ein Vorbild, in dem wir dazu stehen, einen eigenen, besseren Weg einzuschlagen, anstatt Heringsschwarm blind zu folgen.

Kämpfende WölfeEs gibt eine indianische Geschichte – hier nur in Kurzform wiedergegeben: Ein alter, weiser Indianer erzählt seinem Enkel, dass es in jedem von uns 2 Wölfe gibt – einen weisen, ruhigen, liebevollen und einen wilden, aggressiven und destruktiven. Der Enkel fragt ihn dann: Und wer gewinnt? Antwort: Der den du fütterst!
Nächstes Mal: Der Supermann – Die Superfrau – Nur Comichelden?

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